Kapitel 8 – 竜の球 (Ryū no Kyū) – Die Drachenkugeln

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21. Mai 1919

Die Wogen haben sich geglättet und die Welt scheint in den uns vertrauten Zustand zurück gefallen zu sein – wenngleich der Senchō mit entsetztem Gesichtsausdruck feststellt, dass wir nicht mehr im Indischen Ozean unterwegs sind, sondern im Nordatlantik.

Eine eigentlich erfreuliche Nachricht – können wir doch das Britische Königreich von hier aus schon in zwei Wochen erreichen. Ich gratuliere Senchō zu seinem gelungenen Mannöver. Eine interessante Art zu reisen…

Mari-chan und Henuri-san vermissen ihre Tiere. Der Affe und der Hund sind wie vom Erdboden verschluckt. Mari-chan ist völlig aufgelöst. Fast die gesamte Besatzung durchforstet das Schiff nach den vermissten Passagieren.

Selbstverständlich beteilige ich mich an der Suche nach Mari-chans Liebling und Henuri-sans Gefährten. Die Freude ist groß, als die Tiere schließlich zwar verängstigt jedoch ansonsten wohlbehalten gefunden werden.

Von einem Sturm ist nicht das Geringste zu erkennen. Per Funk wird ein aktueller Wetterbericht angefordert. Dieser folgt promt mit dem Datum des 21. Mai 1919, 1:00 a.m. Wenn diese Meldung stimmt, müssten wir in der Zeit zurück gereist sein. Wahrscheinlich träume ich noch immer. So entscheide ich mich, mich in meine Kabine zu begeben und ein wenig auszuruhen. Ich sinniere noch etwas über die mögliche Bedeutung meiner vermeintlichen Traumbilder.

Darüber muss ich wohl eingenickt sein. Ich erwache, als sich im Osten der erste Lichtstreif des Morgens zeigt. Ich bereite mir einen Tee, gehe an Deck und genieße die frische Seeluft und die friedliche Ruhe des jungen Tages.
Nach und nach tauchen auch die anderen Passagiere der Almina aus ihren Quartieren auf und versammeln sich zum Frühstück.

Die Ereignisse der letzten Nacht sind Gesprächsthema. Habe ich etwa doch nicht geträumt? Und tatsächlich sind wir wohl irgendwie zwei Tage in die Vergangenheit gereist.

Lorudo-san scheint von all diesen Ereignissen – dem Sturm, dem grünen Mond, den fremden Sternen … – nichts mitbekommen zu haben. Ich habe den Eindruck, dass er auf irgendeine Weise mit dieser Reiseart zu tun hat, vielleicht ist er ja sogar der Verursacher dieses Phänomens.

Obwohl er nicht bewusst dabei war, versucht Lorudo-san eine Erklärung für die sonderbaren Ereignisse zu geben. Es ist die Rede von Zeitreisen, magischen Kugeln und astralen Echos. Ich verstehe nicht einmal die Hälfte. Das Ganze erinnert mich an eine Geschichte aus meiner Kindheit, die Mutter uns oft erzählt hat. Darin ging es um einen kleinen Jungen, der auszog, die sieben magischen Drachenkugeln zu finden um mit ihnen den großen Drachen Shenlong zu beschwören und sich von ihm einen Wunsch erfüllen zu lassen.


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