Kapitel 7 – 燕賀 (Enga) – Einweihungsfeier

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29. September 1919

Heute ist nun der Tag, ab welchem ich mich Eigentümer eines Britischen Anwesens nennen darf. Um 11:00 nehme ich meinen Termin mit Mr. Cunningham wahr. Wir unterzeichnen den Kaufvertrag unter notarieller Aufsicht, ich händige Mr. Cunningham die Kaufsumme aus und erhalte, nachdem er die Scheine gezählt hat, eine notariell beglaubigte Besitzurkunde auf meinen Namen und die Schlüssel für Curdridge Hill.

Ich freue mich wie ein kleines Kind, als ich das Maklerbüro in Southampton verlasse. Kurzentschlossen entscheide ich, der Almina und dem Senchō einen Besuch abzustatten. Auf der Almina herrscht rege Geschäftigkeit. Die Mannschaft ist damit dabei, das Schiff auslaufbereit zu machen. Ich treffe Senchō auf der Brücke und lade ihn ein heute abend mein Gast auf meinem frisch erworbenen Anwesen zu sein, was er auch gerne annimmt. Wir essen noch gemeinsam zu Mittag, dann empfiehlt sich der Käpt’n – er hätte noch eine Menge zu tun.

Auch ich habe noch etwas zu erledigen. Ich will Allen Sullivan aufsuchen, der mir von Mr. Cunningham als Hausmeister und Gärtner für mein neues Anwesen empfohlen wurde. Mr. Sullivan hatte sich bereits im Dienste des verstorbenen Vorbesitzers um Haus und Grundstück gekümmert. Ich habe Glück und treffe in direkt an. Ich stelle mich als der neue Eigentümer von Curdridge Hill vor und erkläre ihm den Grund meines Besuches. Er ist zwar zunächst etwas überrascht, dass jemand von „so weit her“, wie er sagt, das Anwesen gekauft hätte, erklärt aber auch seine grundsätzliche Bereitschaft, in meinen Dienst zu treten. Auf Curdridge Hill besprechen wir die Details des Beschäftigungsverhältnisses und werden uns einig. Nachdem wir uns nun eine Weile unterhalten haben, zeigt sich der zunächst eher kühl und zurückhaltend wirkende Ire als freundlicher und humorvoller Mann. Er könne gleich morgen anfangen, sagt er. Ich bin einverstanden und bitte ihn morgen zu neun Uhr früh zu erscheinen. Ich würde ihm dann erläutern, was zu tun sei.

Es ist mittlerweile schon drei Uhr nachmittags und ich beschließe mich zum „Five o’clock tea“ auf Highclere Castle einzuladen. Ich treffe fast zeitgleich mit meinen Freunden ein, die Ausflüge nach Cambridge und London unternommen hatten. Beim Tee präsentiere ich nicht ohne ein wenig Stolz meine Besitzurkunde für Curdridge Hill und lade sie zu einer kleinen Feier in meinem Haus ein, um den erfolgreichen Kauf gebührend zu begehen. Lorudo-san heißt mich herzlich in seiner Nachbarschaft willkommen.

Der Abend wird mit reichlich Gin und Sake begangen. Irgendwie ist es Maikurofuto gelungen, mit einer Damen-Blaskapelle für musikalische Unterhaltung zu sorgen. Meine Gäste bedenken mich mit großzügigen Willkommensgeschenken. Maikurofuto schenkt mir eine dem hiesigen Klima angemessene Regenkluft, Mari-chan bedenkt mich mit einem besonderen Blütentee, Henuri-san überreicht mir eine Ausgabe der „Geschichte Schottlands“ und Lorudo-san überlässt mir einen der Rosenstöcke aus der Hauszüchtung seiner Tochter Lady Evelyn.

In dieser feucht-fröhlichen Runde frage ich Maikurofuto, was jetzt eigentlich der Grund für die erneute Reise nach Japan sei. Offenherzig erklärt mir mein Freund, dass sie bei ihrer letzten Reise nach Japan offenbar eines Fluches anheim gefallen seien. Sie waren im Aokigahara auf eine übernatürlichen Entität gestoßen und seit ihrer Rückkehr sei es nun wohl so, dass Menschen, denen sie begegneten – und sei es noch so flüchtig – sich ohne Rückfahrschein auf den Weg nach Japan machten. Lorudo-san äußert den Verdacht, dass sich dieses Wesen von den Seelen derer nährt, die im Aokigahara ihrem irdischen Dasein ein Ende bereiteten und das meine Freunde – da das Geschöpf sie nicht besiegen konnte – sie mit einem Fluch versah, der nun die Menschen, denen sie begegnen, in die Fänge dieser Kreatur treibt. Irgendwie scheint das mysteriöse Schwert aus dem Hause Ashikaga mit dieser Geschichte zu tun zu haben.

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