Kapitel 29 – 祭事 (Saiji) – Zeremonien

Vorlesen lassen:


13. Juli 1919

Wir beginnen den Tag mit einem guten Frühstück. Ich verzichte auf den angebotenen Turska Kafa und lasse mir stattdessen heisses Wasser bereiten, um in den Genuss von Željkos “Urlaubstee” zu kommen – und es ist wahrhaftig ein Genuß. Der Blütenduft, der durch das heiße Wasser freigesetzt wird, schlägt sich sogar auf meinem Gaumen wieder.

Nach dem Frühstück folgen wir Bruder Paulus’ Einladung zum Gottesdienst. Es sind etwa 15 Stadtbewohner anwesend. Bruder Paulus liest etwas aus dem Heiligen Buch der Christen, der Bibel. Es wird viel gesungen. Ich kenne kein einziges dieser Lieder und beschränke mich auf’s zuhören. Am Ende wird ein Gebet gesprochen und in verschiedenen Sprachen wiederholt.

Nach dem Gottesdienst machen wir uns auf den Weg, die beiden Pyramiden zu besuchen, die Beruni-san noch nicht unter die Lupe genommen hat. Die zweite Pyramide – jene mit der signifikantesten Form der drei – ist über und über mit Buschwerk überwuchert. Maikurofuto stellt sofort geologische Untersuchungen an und legt mittels eines Klappspatens ein kleines Stück des Untergrundes frei. Dieser besteht aus Sandsteinplatten oder so etwas ähnlichem. Es läßt sich aber nicht erschließen, ob diese natürlichen Ursprungs sind oder vor Jahrhunderten von Menschenhand geschaffen wurden.

Auf dem Weg zu Pyramide Nr. 3 passieren wir einen etwa drei Meter durchmessenden, runden Stein, der zu einem Drittel in der Erde versunken ist.

An einer Seite des Steins finden wir eine Ausparung. Sie lädt geradezu ein, hier Platz zu nehmen. Maikurofuto setzt sich, berührt den Stein mit seinen Händen und verfällt in eine meditativen, entspannten Zustand. Beruni-san wiederholt das Experiment und macht die gleiche Erfahrung. Nun nehme auch ich in der Sitznische Platz. Wie von selbst wandern meine Hände an den Stein. Mich durchströmt ein tiefes Gefühl der Glückseligkeit. Mein Geist leert sich wie von selbst und ich erlebe die tiefste Entspannung, die ich je erfahren habe. Wir beschließen, die nächste Nacht hier zu verbringen.

Wir setzen nach einer Weile den Weg zur dritten Pyramide fort. Sie erweist sich als ein Sandhügel. Maikurofuto bekommt plötzlich leuchtende Augen. “Stermenstaub”, ruft er, ” das ist Sternenstaub,” und beginnt augenblicklich den Sand in Tüten und Beutel zu verpacken. Beruni-san hilft ihm dabei. Ich untersuche den Sand genauer. Es ist nach meinem Eindruck ganz normaler Sand, aber vielleicht übersehe ich auch etwas. Schließlich habe ich noch nie Sternenstaub gesehen und weiss nicht, woran man ihn erkennt. Ausser diesem “Sternenstaub” birgt die Pyramide aber keine für uns erkennbaren Geheimnisse.

Wir kehren zurück zur Schwarzen Katze, essen etwas und ruhen uns ein wenig aus, bevor wir am späten Nachmittag den Gottesdienst in der griechisch-orthodoxen Kirche besuchen. Etwa 150 Gläubige haben sich hier versammelt. Auch Vater Stavros liest aus dem Heilige Buch. Es scheint ein anderer Text zu sein, als der, den Bruder Paulus heute morgen im Franziskanerkloster vorgetragen hat – oder ist es vielleicht auch einfach nur eine andere Sprache? Wieder wird viel gesungen und wieder endet die Zeremonie mit einem Gebet, dieses Mal wird es aber nur einmal vorgetragen.

Wir verlassen die Kirche als letztes, um noch ein Gespräch mit Vater Stavros führen zu können. Erfreut über unser Interesse erklärt er, dass der griechisch-orthdoxe Orden hier vor Ort bereits seit 250 Jahren zugegen ist. Wir fragen nach den Pyramiden und er berichtet uns alte Schauergeschichten, wonach vor langer Zeit Menschen aus dem Ort spurlos verwunden sein sollten. Der Volksmund behauptet, die Pyramiden hätten sie gefressen, aber Vater Stavros gibt nicht viel auf diese Geschichten. Als wir fragen, ob und wie die Pyramiden namentlich auseinander gehalten werden, nennt er uns die Bezeichnungen Sonne, Mond und Drache – die universelle Symbolik, die wir auf Tvrkos Schild entdeckt haben.

Nach der aufschlußreichen Unterhaltung mit Pater Stavros kehren wir erneut in der Schwarzen Katze ein, essen dort zu Abend, packen unsere Sachen und machen uns auf den Weg zurück zur Steinkugel.

 


Teil 1 als ebook kaufen (1,99 €)

Printausgabe via Amazon (7,99 €)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

17 − elf =