Kapitel 25 – 炉辺で物語 (Rohen de monogatari) – Lagerfeuergeschichten

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10. Juli 1919

Wir beschließen, auch die Nacht am Ufer des Flusses zu verbringen. Morgen, so verspricht Omar, werden wir Visoko erreichen. Henuri-san hat sich Indi geschnappt um mit ihm zusammen sein Jagdglück zu versuchen. Mare-kun überprüft die Anzahl seiner Wurfwaffen. Verschmitzt grinsend reicht Maikurofuto ihm eine Handgranate. Mare – im ersten Moment sichtlich irritiert – lehnt die Gabe dankend ab. Doch Beruni-san scheint sich sehr für die Munition zu interessieren. “Wollen Sie?”, fragt Maikurofuto. “Ich weiss doch gar nicht, wie man damit umgeht”, wendet Beruni-san ein. “Ach das ist nicht schwer, Sie müssen einfach nur diesen Stift…”.

“Bitte hier keine Demonstration, Mr. Winterbottom”, wendet Beruni-san ein. Maikurofuto zuckt mit den Schultern und steckt die Granate wieder weg.

Henuri-san und Indi kehren erfolgreich von ihrem Jagdausflug zurück. Sie bringen einen erlegten Hasen mit. Maikurofuto erklärt sich sofort bereit, das Tier zu zerlegen, überlässt mir dann aber die finale Zubereitung. Beruni-san beginnt derweil, die ein oder andere Geschichte aus seinem Leben in Wien zu berichten. Er erzählt von einem gewissen Carl Gustav Jung, der offenbar auch ein Bekannter von Maikurofuto ist.

Während ich den von Henuri-san und Inu-chan erlegten Hasen über dem Feuer brate, muss ich an eine in meiner Heimat weit verbreitete Geschichte denken. Der Mond ist fast voll und dass Abbild von Tsuki no Usagi, dem Mondhasen, ist gut zu erkennen.

Da im Moment niemand spricht, ergreife ich die Gelegenheit. Es passt gerade hervorragend und ich erzähle die alte Geschichte vom Hasen im Mond:

“Mukashi mukashi, vor Langem in grauer Vorzeit, waren Kitsune, der Fuchs, Saru, der Affe und Usagi, der Hase gute Freunde. Sie tranken zusammen, aßen zusammen, jagten zusammen und schliefen zusammen. Taishakuten, der Herr des Himmels, erfuhr von dieser ungewöhnlichen Freundschaft, wurde neugierig und beschloss, den drei Gefährten einen Besuch abzustatten. Als alter Wanderer verkleidet suchte er die Freunde eines Abends an einem Lagerfeuer auf und bat um etwas zu essen. Saru brachte ihm Nüsse, die er im Wald gesammelt hatte, Kitsune erbeutete einen Fisch in einem nahe gelegenen Fluss und bot diesen dem Gast dar. Nur Usagi fand nichts, was er dem alten Wanderer darbieten konnte. Saru und Kitsune beschmähten und beschimpften ihn ob dieses Umstandes. Das brachte Usagi so sehr zur Verzweiflung, dass er sich selbst ins Feuer warf und rief ‘Iss mich!’

Taishakuten war von dieser Geste so gerührt, dass er Usagi seinen Körper zurück gab und ihn mit sich auf den Mond nahm. Dort lebte Usagi ein langes und glückliches Leben, bis er schließlich starb und dort in Taishakutens Tempel begraben wurde. Der Rauch, der sich bei Usagis Selbstopfer entwickelte, schlug sich auf dem Mond nieder, wo bis heute die Silouette des Mondhasen erkennbar ist.”


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