Kapitel 12 – 絵画展 (Kaigaten) – Kunstausstellung

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26. Oktober 1919

Ich kann meine Freunde dazu überreden, mit mir zusammen eine Kuniyoshi-Sonderausstellung im Tōkyō National Museum zu besuchen. Ich bin schon seit Langem ein begeisterter Anhänger der dynamischen und energiereichen Werke dieses großen Meisters des Ukiyo-e  des vergangenen Jahrhunderts und will mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Die Austellung zeigt eine Reihe von Drucken und Skizzen des Künstlers. Kuniyoshis Werke scheinen auch meine Freunde zu beeindrucken. Insbesondere die Reihe „Der Magische Fuchs in drei Ländern“, in welcher Kuniyoshi den Mythos um den neunschwänzigen Fuchs in Indien, China und Japan thematisiert, erregt ihre Aufmerksamkeit. Der Zyklus zeigt in sechs Bildern die Geschichten des Fuchsgeistes, dessen Erscheinen in Indien und China das Ende der jeweils herrschenden Dynastie einläutete. In Japan wurde der Fuchs gebannt, bevor er den Tennō vernichten konnte.

Nach dem Museumsbesuch lade ich meine Freunde in ein Sentō, ein öffentliches Badehaus, ein. Im Großen und Ganzen wissen sie sich ja schon zu benehmen, als jedoch Senchō auf „Tauchstation“ geht und Luftblasen aus dem Wasser aufsteigen lässt, verlassen die zwei weiteren japanischen Gäste empört das Bad. Ich höre noch, wie sie sich über das flegelhafte Benehmen der Europäer beklagen, doch die skeptische Art und Weise, auf die sie meine Freunde schon beim Betreten des Bades gemustert hatten, ließ mich schon auf eine generell feindliche Einstellung gegenüber Fremden bei ihnen schließen. Insofern nehme ich diese Reaktion nicht allzu ernst.

Nach dem Bad sind wir hungrig. Wir kehren in ein kleines Gasthaus ein, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Okumura-tachi machen.

 

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